Sucht und Gewohnheiten

Die Berechnungen zum Hörschaden, die niemand druckt

Die Lärmdosis ist logarithmisch. Drei Dezibel lauter halbiert die Zeit, in der Sie sicher exponiert sein können, und ein Club liegt die ganze Nacht weit über der Schwelle.

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Gebogene weiße DJ-Pult über einem leeren Club-Tanzboden
Das DJ-Pult im Cocoon Club in Frankfurt beherbergte auch die Medientechnologie des Veranstaltungsorts. Emanuel Raab, 3deluxeDesign, www.3deluxe.de · CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Warum die Zahlen kontraintuitiv sind

Der Schalldruckpegel wird auf einer logarithmischen Skala gemessen, und die zulässige Exposition folgt einem Austauschverhältnis: Jede Erhöhung um 3 dB halbiert die sichere Expositionszeit. Diese eine Tatsache macht Clubumgebungen auf eine Weise gefährlich, die die Menschen konsequent unterschätzen.

Veranschaulichende Expositionsgrenzen unter einem 3 dB Austauschverhältnis von einem 85 dB(A) 8-Stunden-Referenz
EbeneSichere DauerWo Sie es erreichen
85 dB(A)8 StundenBelebtes Restaurant, lautes Büro
91 dB(A)2 StundenLauter Bar
97 dB(A)30 MinutenProbenraum
103 dB(A)7,5 MinutenTypischer Club-Tanzboden
109 dB(A)< 2 MinutenVor einem großen System

Ein sechsstündiger Set auf Clubniveau überschreitet die zulässige Dosis eines vollen Arbeitstags um ein Vielfaches. Die europäischen Vorschriften für beruflichen Lärm verlangen Maßnahmen bei 80 dB(A) täglicher Exposition und setzen Grenzen bei 87 dB(A) — Schwellenwerte, die ein arbeitender DJ innerhalb von Minuten überschreitet.

Musik als Quelle für lärminduzierten Hörverlust

Was die Forschung bei Musikern herausfindet

Eine systematische Übersicht dokumentierte Hörverlust, Tinnitus, Hyperakusis und Diplakusis bei Musikern [2], und eine Übersicht positioniert Musik speziell als eine einzigartige Quelle für lärminduzierten Hörverlust [4] — unterscheidet sich von Industriegeräuschen in ihrem spektralen Inhalt und darin, wie bereitwillig sich Menschen ihr aussetzen. Ein Überblick über Musikexposition und Hörstörungen deckt das Feld breiter ab [5].

Eine Metaanalyse über musikbedingten Hörverlust bei jüngeren Bevölkerungsgruppen [3] ist wichtig, da Schäden, die sich in den Zwanzigern ansammeln, das sind, womit man in den Fünfzigern lebt.

Die vier Dinge, die schiefgehen können

  • Schwellenschwankung. Zunächst vorübergehend — das dumpfe Gefühl nach einer Nacht. Wiederholte vorübergehende Schwankungen werden zu dauerhaftem Verlust.
  • Tinnitus. Anhaltendes Klingeln. Die Prävalenz bei Musikern ist erhöht [2], und es gibt kein zuverlässiges Heilmittel.
  • Hyperakusis. Verminderte Toleranz gegenüber gewöhnlichen Geräuschpegeln. Karriereschädigend für einige und weit weniger diskutiert als Taubheit.
  • Diplakusis. Der gleiche Ton wird in jedem Ohr unterschiedlich gehört. Für jeden, dessen Arbeit von Tonhöhe abhängt, katastrophal.

Was tatsächlich zu tun ist

  1. Tragen Sie bei jedem Set flach dämpfende Musiker-Ohrstöpsel. Keine Schaumstoffstöpsel, die die Höhen zerstören und dazu führen, dass Sie sie herausnehmen. Siehe Hörschutz.
  2. Lassen Sie jetzt ein Basis-Audiogramm erstellen. Ohne eines können Sie keine Veränderung feststellen, nur eventualen Schaden.
  3. Beheben Sie die Überwachungs-Schleife. Der Großteil der übermäßigen Exposition kommt davon, dass der Booth-Monitor lauter gedreht wird, um über den Raum zu hören — siehe Überwachung.
  4. Nehmen Sie ruhige Erholungszeiten. Vorübergehende Schwellenschwankungen benötigen Stunden der Ruhe zur Erholung. Hintereinander laute Nächte erlauben dies nicht.
  5. Betrachten Sie Messungen als kostenlos. Ein SPL-Meter für das Telefon ist in absoluten Begriffen ungenau und völlig ausreichend, um zu bemerken, dass der Booth bei 105 dB liegt.

Häufige Fragen

Wie laut ist zu laut?
Alles über 85 dB(A) akkumuliert Dosis, und jede zusätzlichen 3 dB halbieren die sichere Zeit. Clublautstärken überschreiten die Tagesdosis innerhalb von Minuten.
Erholt sich mein Gehör nach einer durchfeierten Nacht?
Eine temporäre Hörschwellenverschiebung erholt sich meist bei Ruhe. Wiederholte Verschiebungen führen zu bleibendem Hörverlust [1].
Ist Tinnitus reversibel?
Akuter Tinnitus nach Lärmexposition klingt oft ab. Etablierter chronischer Tinnitus in der Regel nicht, weshalb Prävention die gesamte Strategie ist.
Brauche ich einen Hörtest, wenn ich mich gut fühle?
Ja — früher Hörverlust betrifft Frequenzen, die Sie im Gespräch nicht nutzen. Ein Ausgangs-Audiogramm ist die einzige Möglichkeit, Veränderungen zu erkennen.
Direktantrieb-Plattenspieler mit Plattenteller, Tonarm und einer nachgerüsteten Schallplattenbürste ausgestattet
Miroslav Vajdic · CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons
Die Beweise hinter dieser Seite Ein gestapeltes Balkendiagramm, das die Zusammensetzung der 7 auf dieser Seite zitierten Publikationen nach Studientyp zeigt. 331meta-analysis (3)review (3)other (1)
7 Veröffentlichungen, 2005–2023. Dies ist eine überwiegend beobachtende Basis. Sie kann feststellen, dass Dinge zusammen auftreten; sie kann nicht klären, welches das andere verursacht. Quelle: die eigene Zitationsliste dieser Seite, unten.

References

Every citation below links to the original peer-reviewed record on PubMed or via DOI. Nothing here is a substitute for medical advice.

  1. The Effects of Short-Term and Long-term Hearing Changes on Music Exposure: A Systematic Review and Meta-Analysis You S, Kong TH, Han W · International journal of environmental research and public health · 2020 · Meta-analysis DOIPubMed 32245244Full text
  2. Hearing Loss, Tinnitus, Hyperacusis, and Diplacusis in Professional Musicians: A Systematic Review Di Stadio A, Dipietro L, Ricci G, et al. · International journal of environmental research and public health · 2018 · Systematic review DOIPubMed 30261653Full text
  3. Music-induced Hearing Loss in Children, Adolescents, and Young Adults: A Systematic Review and Meta-analysis le Clercq CMP, van Ingen G, Ruytjens L, et al. · Otology & neurotology : official publication of the American Otological Society, American Neurotology Society [and] European Academy of Otology and Neurotology · 2016 · Meta-analysis DOIPubMed 27466893
  4. Music as a unique source of noise-induced hearing loss Reynolds A, Bielefeld EC · Hearing research · 2023 · Review DOIPubMed 36736160
  5. Music exposure and hearing disorders: an overview Zhao F, Manchaiah VK, French D, et al. · International journal of audiology · 2010 · Review DOIPubMed 20001447
  6. Health problems in musicians--a review Zuskin E, Schachter EN, Kolcić I, et al. · Acta dermatovenerologica Croatica : ADC · 2005 · Review PubMed 16356400
  7. Prevalence of Noise-Induced Hearing Loss in Middle and High School Band Members: A Preliminary Study Ramrattan H, Gurevich N · Folia phoniatrica et logopaedica : official organ of the International Association of Logopedics and Phoniatrics (IALP) · 2020 · Journal article DOIPubMed 31302650

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